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Pferdefleisch

Meine Osterfeier

Übermüdet und mit leerem Magen kam ich bei dem Freund meiner Mutter an. Zuerst gab es einen Begrüßungssekt. Zuletzt gab es Kaffee. Immerhin haben wir nicht mit der Nachspeise begonnen!

Sollte man nicht meinen, dass erwachsene Männer zu alt sind für Aussprüche wie: "Das ist voll schwul!"

Nach der ersten Stunde war ich auf dem besten Weg, Misanthrop zu werden. Im Gegensatz zu meinem normalen Verhalten war ich ausgesprochen schweigsam. Also aktiv still.

Ostern ist kein Tag, an dem ich mich Anfeindungen aussetzen will. Leider wurde ich nicht erhört. Nach dem Essen verlagerte sich die Gesellschaft vom Speise- ins Wohnzimmer. Ich setzte mich auf die Couch, auf der schon einer der anderen Gäste Platz genommen hatte. Sofort stand er wieder auf und setzte sich um. Er gab sich nicht einmal die Mühe, irgendeinen Grund vorzutäuschen. Normalerweise würde ich in einer solchen Situation den ganzen Raum darauf hinweisen, dass ich guten Geschmack habe und der Flüchtige folglich überhaupt nicht mein Typ ist. Gestern blieb ich stumm und tat so, als wäre nichts passiert.

Alles in allem hatte ich das Gefühl, bei meinem Vater wäre ich willkommener gewesen. Blöd nur, das der kein Ostern feiert.

Schlecht gelaunt und offen gestanden etwas aufgerieben kam ich abends zurück in meine WG. Meine Mitbewohner und die üblichen Dauergäste waren fast vollständig versammelt.
Mit einem, ich nenne ihn hier Peter, komme ich nicht immer gut aus. Na gut, bleiben wir bei der Wahrheit. Mit über der Häfte unserer antriebslosen Parasiten kann ich bestenfalls nichts anfangen.
Aber zurück zu Peter. Meistens begrüßen wir uns distanziert und gehen uns dann aus dem Weg. Gestern hatte er allerdings bereits dem Alkohol zugesprochen, Hemmungen ab- und Mut aufgebaut.
Am liebsten wäre ich gleich hoch, in mein Zimmer gegangen. Doch einer meiner Mitbewohner erwischte mich, bevor ich auf der Treppe verschwinden konnte. Er fragte mich, was ich denn morgen zum Osterfrühstück mitbringen würde. Mittlerweile hatten mich die meisten bemerkt. Erschöpft meinte ich nur, dass ich gar nicht dabei sein würde. Er fragte, warum nicht.
Ich kam nicht dazu, zu antworten. Peter ereiferte sich lautstark, dass ich mich immer ausklinken würde, warum ich überhaupt hier wohnen würde, wenn ich nichts mit ihnen zu tun haben wolle und dass ich aufpassen solle, wie ich mich benähme, ich Asozialer!
Ich gebe mich selten öffentlich meinen Emotionen hin. Aber gestern war es entschieden zuviel. Einen Moment war ich sprachlos, dann sagte ich: "Du kannst mich mal."
Ich hätte es nicht tun sollen. So herabwürdigend bin ich schon lange nicht mehr angesehen worden. Dazu sagte er angwidert: "Nein, danke!"
Natürlich hatten alle zugehört! Einer der anderen, machen wir ihn zu Robert, lachte dreckig und meinte: "Vielleicht würde es ja helfen! Wer meldet sich freiwillig, Rafa ordentlich durchzunehmen?"
Manche machten den kläglichen Versuch, ihr Lachen zu unterdrücken. Die meisten nicht.
Falls ich mich irgendwann einmal schlimmerem Spott aussetzen musste, habe ich das erfolgreich verdrängt. Ich wusste, ich sollte etwas erwidern. Scharfsinnig oder cool oder so. Aber in meinem Kopf herrschte gähnende Leere, bis auf Roberts Stimme.
Dann tat ich so ziemlich das Peinlichste, das einem in dieser Situation einfallen kann. Ich drehte mich um und rannte aus dem Raum. Immerhin kann ich jetzt bestätigen, Scham treibt einem das Blut in den Kopf. Mein Puls dröhnte so laut in meinen Ohren, dass ich kaum noch etwas hörte. Auf der Treppe holte mich mein Exfreund ein. Er hielt mich fest und redete auf mich ein. Wahrscheinlich wollte er mich beruhigen oder trösten. Ich hörte kein Wort von dem, was er sagte. Dann beging ich die nächste Dummheit.
Er ließ mich nicht los und da schlug ich ihm ins Gesicht.

Als ich endlich sicher in meinem Zimmer angekommenn war und die Tür abgeschlossen hatte, verließ mich der kleine Rest Fassung, der noch durchgehalten hatte. Ich dachte, ich sei stärker, abgehärteter.
Pustekuchen!
Wie ein depressiver Teenager schmiss ich mich auf mein Bett und heulte. Immer noch hörte ich Robert in meinem Kopf, und das Lachen.
Irgendwann hatte ich mich ein bisschen gesammelt. Sogleich tat ich die nächste Ungewöhnlichkeit. Ich rief einen Freund an, meinen besten in Berlin. Er war bestürzt.
Wenn es denn mal vorkommt, dass ich in emotionalem Aufruhr bin, dann kläre ich das allein. Nicht so gestern. Er kam sofort vorbei und kaum war er da, fing ich wieder an zu heulen. Schließlich überredete er mich, noch weg zu gehen. Ich packte ein paar Sachen und ungesehen verließen wir meine Wohnung. In unserem Lieblingscafe brachte ich schon wieder ein Lächeln zustande. Ich erzählte ihm von der Familienfeier und davon, dass es Pferderoulade gab. Bei dem Gesicht, das er machte musste ich dann doch richtig lachen.

Fazit: Ich bin doch manchmal ein normaler Mensch.
und: Oh Gott, bin ich froh, dass ich bald ausziehe!

Wünscht mir Glück!
Moya
25.3.08 01:45
 


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